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Gedanken lenken: Was bringt Dir das?

Gedanken lenken: Was bringt Dir das?

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Autor: Mika Redaktion
Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
Veröffentlicht am 9. November 2022
Lesedauer ca.

In diesem Artikel erfährst Du: 

  • was es mit dem Lenken der Gedanken auf sich hat
  • was das für Deine Therapie bringen kann
  • wie Du es selbst ausprobieren kannst

Während der Zeit Deiner Erkrankung und vielleicht auch danach wirst Du wahrscheinlich viele ungewohnte, teilweise unangenehme oder beängstigende Gedanken haben.

Doch genauso wie Gedanken Dich belasten können, so können sie Dich auch stärken. Sie können dafür sorgen, dass Du Dich ruhig, wohl und zuversichtlich fühlst. Eine wichtige Erkenntnis ist: Du kannst Deine Gedanken beeinflussen.

Im Folgenden bekommst Du Informationen zur Technik des Gedankenlenkens. Sie wird auch „Visualisieren“ oder „gelenkte Imagination“ genannt. Die Technik gehört zu den wissenschaftlich geprüften Entspannungstechniken, die Menschen mit Krebs empfohlen werden.

Wichtig: Sprich auch mit Deinem Behandlungsteam über Deine Gefühle. Es kann Dir passende Tipps und Therapien vorschlagen. 

Wie geht das Lenken der Gedanken?

Der typische Ablauf ist, dass Du Dich zunächst entspannst. Das heißt, Du bist in einer sehr ruhigen Umgebung, setzt oder legst Dich bequem hin und atmest ruhig.

Dann stellst Du Dir eine bestimmte, angenehme Situation vor. Dabei werden möglichst viele Sinne angesprochen: Du stellst Dir Dinge, Gerüche, Geschmäcke und Geräusche vor.

Die Situation oder der Ort kann aus der eigenen Erinnerung sein oder frei erfunden, beispielsweise ein schöner Strand, eine ruhige Waldlichtung oder der Garten der Großeltern. Du stellst Dir vor, wie Du an diesem Ort Kraft tankst und innerlich ruhst.

Wie kannst Du das lernen?

Am besten lernst Du das Lenken der Gedanken unter professioneller Anleitung. Zum Beispiel bieten es viele Psychoonkologie-Praxen, Reha-Kliniken oder andere therapeutische Einrichtungen an.

Du kannst die Technik aber auch selbst üben mit:

  • Büchern
  • Audios, Hörbüchern, CDs
  • Apps, die Du Dir auf Deinen Computer oder Dein Smartphone herunterladen kannst
  • Anleitungen und Hörübungen im Internet

Prüfe immer, dass die Anbieter seriös und für Dich geeignet sind – besonders im Netz! Und besser ist es, wenn die Übung auch auf Deine Situation abgestimmt ist. Daher ist es in der Regel die bessere Wahl, das Gedankenlenken mit Anleitung von Fachleuten der Psychoonkologie zu erlernen.

Beachte: Es gibt Anbieter, die behaupten, dass Du Krebs allein mit der Kraft Deiner Gedanken heilen kannst. Diese Anbieter sind nicht seriös. Das Gedankenlenken zusätzlich zur Therapie kann sehr hilfreich sein. Doch ersetzen kann es Deine vom Behandlungsteam empfohlene Therapie keinesfalls.

Hinweis: Wann Du gelenkte Imagination unterbrechen oder nicht anwenden solltest

Nutze Entspannungsübungen nicht selbstständig in folgenden Situationen bzw. lass Dir von Deinem ärztlichen Behandlungsteam bestätigen, dass eine Anwendung für Dich unbedenklich ist:

  • in plötzlich auftretenden, starken Belastungssituationen, wenn Du keine professionelle psychotherapeutische Begleitung hast
  • bei Depression, Psychosen und anderen schwerwiegenden psychischen Erkrankungen oder traumatischen Erfahrungen, die sich durch Entspannungs- und achtsamkeitsbasierte Übungen verschlimmern könnten
  • bei starken körperlichen Schmerzen

Selbst wenn diese Punkte nicht auf Dich zutreffen, kann es sein, dass das Gedankenlenken nicht zu jedem Zeitpunkt Deiner Krankheit hilfreich für Dich ist. Wenn Du also bemerkst, dass Dich eine Übung emotional belastet oder Dir nicht guttut, dann stoppe die Übung. 

Versuche, sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder fortzusetzen. Wenn sie Dir immer noch nicht guttut oder Dich stark belastet, dann brich sie ganz ab und nimm sie nicht wieder auf.

Hält das belastende Gefühl an, wende Dich an Dein ärztliches Behandlungsteam.

Entspannungsübungen ersetzen keine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung, falls bei Dir eine behandlungsbedürftige psychische Störung vorliegen sollte!

Was ist das Ziel beim Gedanken lenken?

Ziel der Übung ist es, schöne Gefühle oder eine schöne Zukunft vor dem inneren Auge erscheinen zu lassen. Das Tolle: Dein Gehirn reagiert auch auf die reine Vorstellung mit positiven Gefühlen. Und je reichhaltiger die Vorstellung ist – also je mehr Sinne angesprochen werden und je mehr Details Du Dir vorstellst –, desto besser klappt es. So kannst Du aufgewühlte Gedanken und Stressgefühle unterbrechen.

Damit lernst Du einen Weg kennen, wie Du Dich in einer schwierigen Situation selbst entspannen und beruhigen kannst. Das kann Dir auch ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle geben.

Übrigens: Auch Sportlerinnen und Sportler nutzen diese Methode, um ihre Leistungen zu verbessern. Mit dem Gedankenlenken motivieren sie sich selbst und stellen sich gedanklich auf Erfolge ein, um diese leichter zu erreichen.

Was passiert in Deinem Körper?

Lenkst Du Deine Gedanken erfolgreich hin zu einer angenehmen Situation, wirkt dies auch auf Deinen Körper. Er geht in den Erholungsmodus – der Ruhe-Nerv wird aktiviert:

  • Puls und Atmung werden langsamer
  • der Blutdruck sinkt etwas ab

Du wirst womöglich feststellen, dass Dich die angenehmen Empfindungen zur Ruhe kommen und Dich gestärkt in den Alltag zurückkehren lassen.

Welche Effekte kannst Du erwarten?

Es gibt nur wenige, widersprüchliche Studien zur gelenkten Imagination und ihren Effekten bei Krebs. Es gibt aber Studien, die zeigen, dass Entspannungsübungen grundsätzlich folgende Wirkung haben können:

  • Stress wird weniger, Du hast mehr innere Ruhe und Gelassenheit.
  • Depressive Verstimmungen und Angstgefühle können abnehmen.
  • Übelkeit, Schmerzen, Fatigue und Schlafstörungen können weniger werden.

Ist das was für Dich?

Wichtig: Die Verfahren der gelenkten Imagination haben nichts mit Esoterik oder Spiritualität zu tun. Trotzdem ist es wichtig, dass Du Dir überlegst, ob sich die Technik für Dich „richtig anfühlt“.

Hierbei geht es nicht um eine Kopfentscheidung. Gedanken wie „Ich muss das machen, damit ich schnell wieder gesund werde“, sind fehl am Platz. Du kannst weitere Entspannungstechniken ausprobieren. Vielleicht bist Du ein Mensch, der bei einem Spaziergang oder guten Gesprächen besser abschalten kann. In Sachen Entspannung ist alles richtig, was sich für Dich gut anfühlt.

Zusammengefasst

Das Lenken der Gedanken ist eine Entspannungstechnik. Die Technik beinhaltet, dass Du Dich an einen gedachten Ort oder in eine gedachte Situation begibst. Dann stellst Du Dir eine bestimmte, angenehme Situation vor. Das soll Dich stärken und entspannen.

Das kannst Du tun

  • Sprich mit Deinem Behandlungsteam über die gelenkte Imagination.
  • Sieh Dir Inhalte in Mika an, wie Entspannungsübungen und Fantasiereisen. Mit ihnen kannst Du testen, ob so eine Art der Entspannung etwas für Dich ist.

Quellen

  • Onko Internetportal (2015). Entspannungstechniken für Krebspatienten. Stand: Oktober 2015. Abgerufen am 31.10.2022 von www.krebsgesellschaft.de
  • Cancer Research UK. (2022). Visualisation and cancer. Stand: 03.05.2022. Abgerufen am 31.10.2022 von www.cancerresearchuk.org
  • Universitätsklinikum Freiburg, Flyer (2020). Gelenkte Imagination. Stand: Februar 2020. Abgerufen am 31.10.2022 von www.ukf-reha.de
  • Rauch, J. Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Visualisieren. Abgerufen am 31.10.2022 von www.zhaw.ch
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Geschrieben von Mika Redaktion
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Das Redaktionsteam von Mika arbeitet mit medizinischen Fachleuten, ausgebildeten Journalisten, Fachexperten und Psychoonkologen zusammen.
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