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Hautprobleme während der Therapie: Was hilft?

Hautprobleme während der Therapie: Was hilft?

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Autor: Nicole Ziese
Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
Veröffentlicht am 18. August 2022
Lesedauer ca.

In diesem Artikel erfährst Du: 

  • wie Du Deine Haut schützen kannst
  • wie Du Beschwerden lindern kannst
  • wie Du Beschwerden vorbeugen kannst

Im Rahmen der Krebsbehandlung kann es sein, dass Deine Haut aus unterschiedlichen Gründen gereizt ist. Meist verschwinden die Hautreaktionen nach dem Ende der Therapien wieder.

Aber gerade, wenn die betroffene Hautstelle sichtbar ist, kann es sein, dass Du Dich belastet fühlst. Du hast mehrere Möglichkeiten, Deine Haut zu schützen und diese Nebenwirkung der Krebstherapie zu lindern.

Wann treten Hautirritationen auf?

Fast alle Krebstherapien können Hautirritationen als Nebenwirkung haben. Hierzu zählen insbesondere

  • Operative Entfernung des Tumors
  • Chemotherapie
  • Bestrahlung
  • Immuntherapie und zielgerichtete Therapie
  • Hormontherapie

Die Chemotherapie wirkt beispielsweise auf Zellen, die sich besonders schnell teilen. Neben den Krebszellen sind das aber auch die gesunden Zellen von (Schleim-)Haut, Haaren und Nägeln.

Bei einer Strahlenbehandlung wird die Haut im bestrahlten Bereich massiv belastet, was zu Hautreaktionen führt.

Bei einigen Medikamenten kann der Hautausschlag anzeigen, dass Dein Körper auf die Therapie anspricht. Hier ist der Hautausschlag bis zu einem gewissen Maß sogar erwünscht.

Mit welcher Art von Hautreaktionen musst Du rechnen?

Je nach Behandlung unterscheiden sich die Hautreaktionen. Hier ein Überblick über Hautprobleme, die auftreten können:

  • Akne-ähnlicher Ausschlag: „Rash” beziehungsweise „akneiformes Exanthem“ – dieser Ausschlag beginnt meist im Gesicht und im Dekolleté, kann aber auch den gesamten Körper betreffen. Nach Absetzen der Medikamente geht dieser Ausschlag in der Regel zeitnah zurück und hinterlässt auch keine Narben.
  • Trockene, rissige Haut: Durch die Therapie werden die Haut und die Schleimhaut geschwächt. Die Schutzbarriere der Haut ist stark angegriffen, sodass Viren, Bakterien und Pilze leicht in die Haut eindringen können.
  • Hand-Fuß-Syndrom: Hierbei treten schmerzhafte Rötungen an den Handflächen sowie Fußsohlen auf. Diese können von Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Schwellungen begleitet werden.
  • Heilungsstörungen nach Operationen: Je nach Gesamtzustand oder auch durch mangelhafte Hygiene können sich Wunden nach einer Operation entzünden.
  • Auch Deine Nägel können betroffen sein und leichter abbrechen oder Rillen bilden.

Was verschafft Linderung bei solchen Hauterscheinungen?

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Du zum Schutz Deiner Haut während der Behandlung ergreifen kannst. Fachleute sprechen von der supportiven, also unterstützenden, Therapie. Hierzu zählen auch zahlreiche Maßnahmen, die Du selbst umsetzen kannst:

  • Vermeiden von enganliegender Kleidung: Durch die Reibung von eng anliegender Kleidung wird die Haut zusätzlich gereizt. Gleiches gilt für synthetische Materialien. Weiche Stoffe und weit geschnittene Kleidungsstücke sorgen für Linderung, wenn die Haut gereizt ist.
  • Verwende milde, seifenfreie Waschlotionen: Diese Produkte entsprechen dem pH-Wert der Haut und greifen daher die Schutzbarriere der Haut möglichst wenig an.
  • Regelmäßige Hautpflege: Creme Dich täglich mit einer rückfettenden Creme ein. Besonders geeignet sind Cremes, die Harnstoff enthalten.
  • Antibiotikatherapie: In besonders stark ausgeprägten Fällen kann Deine Ärztin oder Dein Arzt Dir unterstützend Antibiotika verschreiben.
  • Verzicht auf lange, heiße Bäder: Auch hierdurch kann die Schutzbarriere der Haut zusätzlich geschwächt werden.
  • Kein Rubbeln oder Reiben: Gehe beim Abtrocknen sanft vor. Verzichte auf Peelings, diese reizen Deine Haut zu sehr.
  • Sanfte Rasur: Verzichte auf eine tägliche Nassrasur. So schonst Du Deine Haut und vermeidest Schnittwunden.
  • Verzicht auf Sonnenbäder: Die UV-Strahlen der Sonne belasten die Haut zusätzlich. Wenn Du in die Sonne gehst, schütze Deine Haut mit leichter, den Körper komplett bedeckender Kleidung oder Sonnencreme. Gerade während der Bestrahlung ist das wichtig. Zu viel Sonne kann bleibende dunkle Pigmentflecken oder Hautschäden auslösen. Auch OP-Narben solltest Du besonders vor der Sonne schützen.

Was ist mit Kosmetik?

Wenn Du, insbesondere zum Abdecken der Hautirritationen, zu Kosmetika greifst, dann solltest Du dermatologisch getestete Produkte verwenden.

Bei Nagellack solltest Du ebenfalls vorsichtig sein: Gibt es Schäden an Deinem Nagel, solltest Du diese nicht mit Lack überdecken, ohne vorher Deine Ärztin oder Deinen Arzt zu fragen. Denn: Die Nägel können auf einige Krebsmedikamente reagieren, beispielsweise weißliche Streifen und andere Verfärbungen zeigen.

Wie kannst Du dem Auftreten von Hautirritationen vorbeugen?

Bis zu einem bestimmten Grad können die nachfolgenden Maßnahmen dafür sorgen, dass Deine Haut durch die Behandlung möglichst wenig beeinträchtigt wird:

  • Frühzeitig mit der Hautpflege beginnen: Pflege Deine Haut direkt zu Beginn der Behandlung und nicht erst, wenn die Haut sichtbar angegriffen ist. Auch zur Vorbereitung sind Cremes mit Harnstoff zu empfehlen. Grundsätzlich ist es gut, auf Produkte ohne Duftstoffe und aggressive Inhaltsstoffe umzustellen.
  • Biete Keimen keine Chance: Nutze Desinfektionsmittel, um Viren, Bakterien und Pilze davon abzuhalten, über Deine geschwächte Haut in Deinen Körper einzudringen.
  • Richtige Hygiene nach Operationen: In der Regel kannst Du Dich direkt nach einer Operation wieder waschen. Allerdings ist es meist sinnvoll, dass Du in den ersten 2 Wochen auf ausgiebiges Duschen und Baden verzichtest, und die Wunde und ihre direkte Umgebung lediglich mit einem Lappen wäschst. Einmal-Waschlappen sind hier aus hygienischen Gründen besser als Stoffwaschlappen, die mehrere Tage benutzt werden.

An wen kannst Du Dich wenden?

Bei Fragen und Beschwerden kannst Du Dich an Dein Behandlungsteam wenden. Es kennt Deine Geschichte und Deine Therapie. Du solltest dem Team sowieso immer über alle Nebenwirkungen Deiner Therapie Bescheid geben. Zusätzlich kannst Du Dich auch an Deine Hausarzt- oder Hautarztpraxis wenden.

Zusammengefasst

Im Rahmen der Krebsbehandlung kann es sein, dass Deine Haut aus unterschiedlichen Gründen gereizt ist. Verschiedene Maßnahmen können die Beschwerden lindern.

Das kannst Du tun

  • Frage Dein Behandlungsteam frühzeitig, wann Hautprobleme auftreten können.
  • Pflege Deine Haut bereits im Vorfeld und nutze die Tipps zur Linderung von akuten Beschwerden. Halte Dich an die Pflegehinweise Deines Behandlungsteams.
  • Zögere nicht, Deinem Behandlungsteam von Beschwerden oder neuen Hautveränderungen zu berichten. Frage nach, wenn Dir etwas unklar ist oder ungewöhnlich erscheint.

Quellen

  • Nebenwirkungen der Haut durch Therapien gegen Krebs, Krebsinformationsdienst, 23.01.2022, abgerufen am 16.08.2022 von www.krebsinformationsdienst.de
  • National Cancer Institute (2019). Skin and Nail Changes during Cancer Treatment (Stand: 14.06.2019) abgerufen am 16.08.2022 von www.cancer.gov
  • Leitlinienprogramm Onkologie – Patientenleitlinie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Vorbeugung und Behandlung von Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung, Februar 2018, abgerufen am 16.08.2019 von www.krebshilfe.de
  • Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen – Langversion 1.3, 2020, AWMF Registernummer: 032/054OL, abgerufen am 16.08.2019 von www.leitlinienprogramm-onkologie.de
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