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Wie essen bei Verstopfung?

Wie essen bei Verstopfung?

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Autor: Christiane Hübbe
Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
Veröffentlicht am 12. Mai 2022
Lesedauer ca.

In diesem Artikel erfährst Du:

  • welche Dinge eine Verstopfung begünstigen
  • wie Du einer Verstopfung vorbeugen kannst
  • was Du bei akuter Verstopfung tun kannst

Durch eine Krebstherapie oder begleitende Behandlungen kann sich die Häufigkeit Deiner Darmentleerung und die Beschaffenheit Deines Stuhls verändern. Auslöser können Medikamente oder auch Bewegungsmangel sein. Es kann zu einer Verstopfung kommen, die sehr belastend und unangenehm ist.

Mit der passenden Ernährung kannst Du Deine Verdauung unterstützen.

Verstopfung in der Krebstherapie

Die Häufigkeiten der Darmentleerung, die als normal gelten, sind sehr unterschiedlich. Bis zu dreimal täglich oder nur einmal alle drei Tage – in diesem Bereich spielt sich die Häufigkeit normalerweise ab. Durch die Krebstherapie oder die Tumorerkrankung können sich Deine Toilettengewohnheiten allerdings verändern. Es kann zu einer Verstopfung kommen, auch Obstipation genannt.

Davon spricht man, wenn:

  • Du seltener als einmal alle drei Tage auf die Toilette musst
  • Dein Stuhl sehr hart ist
  • Du sehr stark pressen musst

Eine Verstopfung kann mit Bauchschmerzen, Völlegefühl und Blähungen verbunden sein. Verbessert sich diese Situation nach der Therapie nicht, sollte Deine Verstopfung ärztlich abgeklärt werden. (1,2)

Mögliche Ursachen einer Verstopfung

  • Bewegungsmangel
  • verändertes Essverhalten
  • Folge einer Operation
  • Medikamente und Schmerzmittel
  • Unterdrücken des Stuhlgangs
  • zu geringe Nahrungsaufnahme
  • Flüssigkeitsmangel

Wenn die Faktoren, die eine Verstopfung fördern, wie beispielsweise Medikamente oder Bewegungsmangel, in Deinem Alltag nicht mehr auftreten, reguliert sich auch Deine Darmentleerung wieder.

Chronisch kann eine Verstopfung hingegen werden, wenn Dein Bewegungsverhalten eingeschränkt bleibt, Deine Flüssigkeitsversorgung unzureichend oder Deine Ernährung nicht optimal ist. Doch dagegen kannst Du etwas tun. (1)

Wichtig: Sprich mit Deinem Behandlungsteam!

Hausmittel oder frei verkäufliche Medikamente, die bei Verstopfung helfen sollen, können insbesondere bei einer Krebserkrankung problematisch oder sogar gefährlich sein. Lass Dich vorher ärztlich beraten. So kannst Du mögliche Wechselwirkungen mit Deinen Medikamenten vermeiden.

Beispielsweise können Ballaststoffe wie in Flohsamenschalen oder Leinsamen bei normaler Verstopfung helfen, aber bei Darmschäden gefährlich sein. (1)

Was Dir bei Verstopfung helfen kann

1. Trinke ausreichend

Trinkst Du weniger als Dein Körper braucht, kommt es zu einem Flüssigkeitsmangel, der neben Kreislauf- oder Nierenproblemen auch zu einer Verstopfung führen kann. Besonders wenn Dein Bedarf erhöht ist, zum Beispiel bei Fieber, musst Du auf eine ausreiche Flüssigkeitszufuhr achten.

Erschweren Schluckbeschwerden oder Schleimhautentzündungen das Trinken, probiere das Trinken mit einem Trinkhalm. Du solltest täglich um die 2 Liter trinken. Geeignet sind Wasser, Tees oder Saftschorlen. (1,2,4,5,6)

2. Ballaststoffe fördern die Verdauung

Ballaststoffe sind Pflanzenfasern in unserer Nahrung, die wir nicht verdauen können. Dafür fehlen uns die entsprechenden Enzyme. Dennoch sind sie sehr wichtig, denn sie fördern die Verdauung. Sie erhöhen das Stuhlvolumen und fördern die Darmperistaltik, also die Bewegung, die den Stuhl weiter transportiert. Es lohnt sich, ausreichend Ballaststoffe aufzunehmen.

Ballaststoffreich sind Vollkornprodukte, sowie Obst und Gemüse. Auch Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen, Bohnen enthalten reichlich Ballaststoffe, können aber zu Blähungen führen. Achte auf Deine persönliche Verträglichkeit.

Erhöhe die Menge an ballaststoffreichen Mahlzeiten sehr langsam und schrittweise. Kaue besonders gründlich, damit es nicht zu Blähungen oder Bauchschmerzen kommt. Trinke ausreichend, damit die Ballaststoffe gut wirken können! (3,5,7,89)

3. Sei geduldig

Der Nutzen einer Ernährungsumstellung stellt sich nicht sofort ein. Dein Körper braucht Zeit, um sich an die neue Ernährung zu gewöhnen. Besonders bei Ballaststoffen schlägt Ungeduld ins Gegenteil um. Steigere die Menge an Ballaststoffen langsam und beobachte, wie Du sie verträgst. Verfalle nicht in alte Ernährungsmuster, wenn sich Deine Verstopfung nicht sofort legt. Es kann einige Wochen dauern, bis Du eine Verbesserung spürst. (3,7)

4. Genieße frische und getrocknete Früchte

Bestimmte frische und getrocknete Früchte enthalten Zuckerarten wie Sorbit, die abführend wirken. Dazu gehören Feigen, Birnen, Zwetschgen sowie Pflaumen. Auch Pflaumen-Produkte wie Pflaumenmus oder -saft sind geeignet. Daneben enthalten sie auch Ballaststoffe, die verdauungsfördernd sind.

Ein weiterer Pluspunkt sind die Vitamine und Mineralstoffe in frischem Obst. Auch Säfte können abführend wirken, liefern Vitamine und tragen zu Deiner Flüssigkeitsversorgung bei. Ungeeignet sind unverdünnte Säfte allerdings bei Schleimhautentzündungen.  (4,9)

5. Weniger stark verarbeitete Lebensmittel

Einige Lebensmittel sind bei Verstopfung ungeeignet. Dazu gehören beispielsweise stark verarbeitete Lebensmittel wie Weißmehlprodukte (Weißbrot, Nudeln). Sie enthalten weniger Ballaststoffe als die Vollkorn-Variante, außerdem weniger Vitamine, Mineralstoffe und Proteine.

Auch Kuchen und Gebäck oder Mehlspeisen können die Verstopfung fördern. Greife, so oft es Dir möglich ist, zu wenig verarbeiteten Lebensmitteln. (6,8)

6. Iss regelmäßig kleinere Mahlzeiten

Kleinere Mahlzeiten sind nicht nur bei Sodbrennen, Appetitlosigkeit, Kau- und Schluckbeschwerden sinnvoll, sondern auch bei Verstopfung. Durch das regelmäßige Essen führst Du Deinem Körper gleichmäßig Nahrung zu und der Magen-Darm-Trakt bleibt so in Bewegung. Iss also viele kleine Mahlzeiten, statt den wenigen großen. (6,9)

7. Gründlich kauen

Eine Mahlzeit solltest Du nicht in Hektik zu Dir nehmen. Nimm Dir Zeit zum Essen, besonders, wenn Du an Verstopfung leidest. Denn dann kannst Du Dich darauf konzentrieren, Dein Essen gründlich zu kauen. Kauen zerkleinert die Nahrung und vermischt sie mit dem Speichel. So wird die nachfolgende Verdauung unterstützt und einer Verstopfung entgegengewirkt. (6)

8. Iss „5 am Tag“

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt täglich frisches Obst und Gemüse zu essen. Genauer gesagt sollen es 2 Portionen Obst und 3 Portionen Gemüse am Tag sein. Sie liefern wertvolle Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und verdauungsfördernde Ballaststoffe. Daneben enthalten sie reichlich Wasser und tragen so zur Flüssigkeitsversorgung bei. (7,8,9)

9. Wähle milchsauer vergorene Lebensmittel

Lebensmittel wie Sauerkraut, Kefir, Quark, Naturjoghurt oder Buttermilch können bei Verstopfung helfen. Sie fördern die Ansiedlung von nützlichen Bakterien im Darm und hemmen das Wachstum von unerwünschten Darmkeimen. Außerdem fördern diese Lebensmittel durch die Senkung des pH-Wertes im Darm die Darmperistaltik. Daneben enthalten sie Milchzucker (Laktose), der leicht abführend wirkt.

Nimm milchsauer vergorene Lebensmittel am besten täglich auf Deinen Speiseplan. (8,9)

10. Vermeide Stress und sorge für Bewegung

Neben einer falschen Ernährung können sich auch Bewegungsmangel und eine starke psychische Belastung negativ auf die Verdauung auswirken. So wie es Dir im Rahmen Deiner persönlichen Grenzen möglich ist, solltest Du Dich regelmäßig bewegen. Beginne langsam und überanstrenge Dich dabei nicht.

Außerdem solltest Du Stress und Hektik vermeiden. Bei großer Belastung ist es sinnvoll, Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Situation zu verbessern. (8,9)

Zusammengefasst

Es gibt verschiedene Ursachen für eine Verstopfung, z.B. Medikamente, Ernährungsfehler, Flüssigkeits- oder Bewegungsmangel. Verschwinden die Faktoren wieder, normalisiert sich auch die Verdauung.

Eine Ernährungsumstellung kann helfen, einer Verstopfung entgegenzuwirken. Aber es dauert etwas, bis sich Erfolge zeigen. Gib Deinem Körper Zeit, um auf diese Umstellung reagieren zu können und lass Dich dazu ärztlich beraten. So kannst Du unerwünschte Neben- oder Wechselwirkungen vermeiden. Wichtig: Verstopfung ist kein Tabu-Thema. Besprich es mit Deinem Behandlungsteam und lass Dir helfen.

Was Du tun kannst

  • Hole Dir ärztlichen Rat, bevor Du Hausmittel ausprobierst.
  • Trinke ausreichend, denn Flüssigkeitsmangel fördert eine Verstopfung.
  • Wähle ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, sie fördern die Verdauung.
  • Vorsicht bei Quellmitteln wie Flohsamenschalen.
  • Sei geduldig – eine Ernährungsumstellung braucht Zeit für positive Effekte.
  • Genieße frische und getrocknete Früchte wie Pflaumen, sie können abführend wirken.
  • Vermeide stark verarbeitete Lebensmittel.
  • Iss regelmäßig kleine Mahlzeiten.
  • Kaue besonders gründlich, um Deine Verdauung zu unterstützen.
  • Iss 2 Portionen Obst und 3 Portionen Gemüse am Tag.
  • Probiere milchsauer vergorene Lebensmittel wie Naturjoghurt aus, um Deinen Darm zu unterstützen.
  • Vermeide Stress und Hektik.
  • Integriere mehr Bewegung in Deinen Alltag.

Quellen

  1. Deutsches Krebsforschungszentrum, Verstopfung bei Krebs: Vorbeugung und Behandlung von Obstipation, Informationsartikel, 02.07.2018, abgerufen am 28.04.2022 von www.krebsinformationsdienst.de
  2. Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Verstopfung als Nebenwirkung einer Krebstherapie, Fachartikel 20.04.2017, abgerufen am 28.04.2022 von www.krebsgesellschaft.de
  3. Deutsche Krebshilfe und Deutsche Krebsgesellschaft: Blauer Ratgeber Ernährung bei Krebs. Informationsbroschüre, Stand 01.2020, abgerufen am 28.04.2022 www.krebshilfe.de
  4. Ernährungspraxis Onkologie, Behandlungsalgorithmen, Interventions-Checklisten, Beratungsempfehlungen, Schattauer Verlag, 2016
  5. Biesalski, H., Adolph, M. Ernährungsmedizin: nach dem neuen Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer; Thieme Verlag 2010
  6. Boeing, H., Müller, M. J. Ernährungsmedizinische Praxis: Methoden – Prävention – Behandlung, Springer Berlin Heidelberg 2007
  7. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Was tun bei chronischer Verstopfung?, Presseinformation, 16.12.2014, abgerufen am 28.04.2022 von www.dge.de
  8. Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, Essen und Trinken bei Verstopfung, Patienteninformation abgerufen am 28.04.2022 von www.mri.tum.de
  9. Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention, Ernährung bei Verstopfung (Obstipation), 19.11.2020, abgerufen am 28.04.2022 von fet-ev.eu
CH
Geschrieben von Christiane Hübbe
Medizinischer Autor
Christiane Hübbe ist Ökotrophologin und Ernährungswissenschaftlerin und spezialisiert auf gruppen- und kulturspezifische Ernährung sowie die Entwicklung von Online-Gesundheitsinhalten.
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