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Was hilft bei Erektionsproblemen nach der Therapie?

Was hilft bei Erektionsproblemen nach der Therapie?

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Autor: Dr. Volker Henn
Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
Veröffentlicht am 22. April 2024
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In diesem Artikel erfährst Du

  • was eine erektile Dysfunktion ist
  • welche Prostatakrebstherapien sie verursachen können
  • welche Therapieoptionen es gibt, um die Erektionsfähigkeit wiederzuerlangen

Du hast die OP oder andere Behandlungen hinter Dich gebraucht. Vielleicht spürst Du nun auch unerwünschte Folgen der Behandlung – Erektionsprobleme. Doch damit bist Du nicht allein: Die erektile Dysfunktion, so der medizinische Fachausdruck, gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen der Prostatakrebstherapie.

Was ist eine erektile Dysfunktion?

Die Behandlung von Prostatakrebs kann zu Erektionsstörungen führen, einer sogenannten erektilen Dysfunktion. Der Grund: Nerven oder Blutgefäße sind verletzt oder durchtrennt. Die Folge: Dein Geschlechtstrieb mag so wie vorher sein, aber die für den Geschlechtsakt nötige Steife wird nicht erreicht oder lässt zu früh wieder nach.

Eine erektile Dysfunktion kann die Psyche stark belasten, manchmal leidet auch die Partnerschaft darunter. Es kann viele Wochen oder Monate dauern, bis sich die körperlichen Funktionen wieder verbessern. Doch so lange solltest Du nicht warten, sondern das Problem rechtzeitig offen ansprechen. Dein Behandlungsteam kann Dir mehrere wirksame Maßnahmen vorschlagen. Und auch Dein Lebenspartner wird Dich sicher unterstützen.

Welche Behandlungen führen zu Erektionsproblemen?

Bei Prostatakrebs können unterschiedliche Eingriffe zu einer erektilen Dysfunktion führen.

  • Häufig geschieht dies bei Operationen, bei denen die Prostata vollständig entfernt wird. Schäden an Deinen Blutgefäßen und Nervenbahnen lassen sich dabei kaum vermeiden. Die Einführung einer nervenschonenden Operationsmethode hat die Wahrscheinlichkeit etwas gemindert. Eine nervenschonende Operation ist nicht in allen Fällen möglich. Mit dieser Methode müssen immer noch 2 bis 4 von 10 Operierten mit Erektionsproblemen rechnen.
  • Auch eine Bestrahlung kann das Gewebe schädigen, die erektile Dysfunktion stellt sich dann aber erst nach einigen Wochen oder Monaten ein.
  • Auch eine Hormontherapie kann einen Einfluss haben: Sie kann die Lust und das Interesse am Geschlechtsverkehr schwinden lassen.

Welche Behandlungsmaßnahmen gibt es?

Die erektile Dysfunktion ist kein Schicksal, dass Du tatenlos hinnehmen musst. Im Gegenteil: Je früher Du Dein Behandlungsteam ansprichst, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Das Team kann Dir mehrere Maßnahmen vorschlagen.

PDE-5-Hemmer

Diese Medikamente erweitern die Gefäße und lassen mehr Blut in Deine Schwellkörper fließen. Sie werden als Tablette eingenommen, ihre Wirkung hält mehrere Stunden an. Sie sind wirksam, wenn Nervenbündel erhalten geblieben sind und beim Einsatz eine sexuelle Erregung vorliegt. Allerdings können sie unerwünschte Nebenwirkungen auf Herz und Kreislauf haben und dürfen nicht zusammen mit einigen Herzmedikamenten eingenommen werden.

SKAT oder MUSE

SKAT (Schwellkörper-Autoinjektionstherapie) und MUSE (Medikamentöses Urethrales System zur Erektion) sind zwei Therapien, die auf dem körpereigenen Botenstoff Prostaglandin E1 beruhen. Die Medikamente musst Du bei SKAT direkt in Schwellkörper einspritzen oder bei MUSE mithilfe eines Stäbchens in die Harnröhre einführen. Bei Überdosierungen kann es zu schmerzhaften Dauererektionen kommen. SKAT und MUSE sind auch bei durchtrennten Nerven wirksam.

Mechanische Hilfen

Falls Du keine Medikamente einnehmen möchtest oder darfst, sind Vakuumerektionshilfen eine Alternative. Dazu führst Du Dein Glied in einen Plastikzylinder ein und erzeugst mit einer Pumpe einen Unterdruck. Der Unterdruck hilft, die Schwellkörper mit Blut zu füllen. An der Wurzel des steifen Glieds wird dann ein Penisring angelegt, der den Rückfluss des Blutes unterbricht. So bleibt der Penis steif. Nebenwirkungen musst Du bei mechanischen Hilfen kaum befürchten. Allerdings sollte ein Penisring nach spätestens 30 Minuten wieder entfernt werden, damit wieder ein normaler Blutfluss in den Schwellkörpern vorliegt und keine Schäden entstehen.

Beckenbodentraining

Die Muskulatur im Beckenboden unterstützt den Blutfluss in die Schwellkörper. Sie kann auch die Erektion länger aufrechterhalten. Ein regelmäßiges Beckenbodentraining unterstützt diese Muskeln und kann Erektionsprobleme lindern, besonders in Kombination mit anderen Therapien. Du solltest Dir die Übungen anfangs von einem erfahrenen Physiotherapeuten zeigen lassen.

Zusammengefasst

  • Erektionsprobleme sind eine häufige Folge der Prostatakrebstherapie.
  • Sie treten meist nach Operationen auf, können aber auch durch Bestrahlungen oder durch eine Hormonentzugstherapie ausgelöst werden.
  • Geeignete und wirksame Maßnahmen sind Medikamente, mechanische Hilfen und Muskelübungen.

Das kannst Du tun

  • Rede offen über Deine Probleme, auch in der Partnerschaft.
  • Sprich mit Deinem Behandlungsteam und frage nach Hilfe.
  • Informiere Dich über Behandlungsmöglichkeiten.
  • Trainiere Deine Beckenbodenmuskulatur.

Quellen

  • Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Langversion 5.1, 2019,AWMF Registernummer: 043/022OL, www.leitlinienprogramm-onkolo-gie.de am: 18.02.2021)
  • Müller I, Prostatakrebs und Erektile Dysfunktion – das hilft!, 13.8.2018, Prostata Hilfe Deutschland, abgerufen am 11.02.2021 von prostata-hilfe-deutschland.deSchlenger R, Operation gelungen, Patient impotent, 24.08.2017, Deutsche Apothekerzeitung, abgerufen am 11.02.2021 von www.deutsche-apotheker-zeitung.de
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Geschrieben von Dr. Volker Henn
Medizinischer Autor
Dr. Volker Henn ist Biochemiker und war lange in der Grundlagenforschung tätig. Heute arbeitet er als freier Wissenschaftsautor in Berlin. Neben dem Thema Krebs beschäftigt er sich vor allem mit Gen- und stammzelltherapien.
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